Österreichs erster Segel Guide
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Wharram, Wharram - what the f++k is Wharram?

James Wharram, the Father of "Free"

In den Hügeln von Wales, wo das Wetter aus dem Golfstrom kommt und die Ortsnamen für Zuagroaste vollkommen unaussprechlich sind, lebte einst ein junger Mann namens James. Eigentlich war er Alpinist, aber irgendwie muss er den Sog der See verspürt haben, und eines Tages verschlug ihn der Zufall nach London ins British Museum, wo er lange und andächtig vor einem polynesischen Katamaran verharrte, den James Cook von seiner legendären Weltreise mitgebracht hatte.

 

Etwas muss bei diesem Anblick in seinem Hirn eingerastet sein, denn kaum heimgekommen, verschwand James in einem Schuppen, und von da an hörte man für zwei Jahre nichts mehr von ihm, außer hektischem Sägen, stakkatoartigen Hammerschlägen und einem gelegentlichen „F++k!“, wenn er sich auf den Daumen haute.

 

Irgendwann im Frühling 1955 kam er dann aus seinem Schuppen heraus und mit ihm das Werk seiner Hände: Ein „polynesischer“ Katamaran von knapp neun Metern Länge, den er kurzer Hand dem Wasser überantwortete, nach der ersten gelungenen Wende für seetüchtig erklärte und gemeinsam mit zwei Freundinnen bestieg, um damit zuerst nach Spanien und in der Folge nach Trinidad zu segeln.

 

Das Design war vielleicht noch nicht so ganz ausgereift: Die Optik war so eckig, dass ein portugiesischer Zöllner beim Anblick des Bootes fragte, wie viele Särge da transportiert wurden. Auch die Rumpfböden waren vorbildgetreu brettelflach, aber leider war das historische Vorbild in Wahrheit kein Ozeanfahrzeug, sondern ein Boot für seichte Lagunen. Entsprechend hart klopfte das Schinakel auf hohe Wellenrücken – so hart, dass die Goldplomben flogen. Die Ruderblätter verlangten nach einer Redimensionierung, die dann mitten auf dem Atlantik mit einem Fuchsschwanz durchgeführt wurden, und zwar hinter dem Boot schwimmend, probieren Sie das mal. Aber immerhin: Ein Mann, zwei Frauen, ein Hund und zweihundert Bücher schafften es ohne ernsthafte Schäden nach Trinidad.

 

Die alten Chinesen pflegten zu sagen: „Baue das erste Haus für deinen Feind, das zweite für deinen Freund und das dritte für Dich selbst.“ Als die in der Karibik allgegenwärtigen Tereide-Würmer seinen ersten Kat mit Stumpf und Stängel aufgegessen hatten, baute James einen zweiten, diesmal schon 12 Meter lang und mit einem erheblich ozeantüchtigeren V-Spant. Er tat dies auf einer Lichtung, die er, assistiert von Segler-Legende Bernard Moitessier, aus einem Palmenhain am Strand von Trinidad ausgeholzt hatte. Boot Nr. 2 taufte er „Rongo“ und segelte auf ihm erst nach New York, dann heim nach England und damit endgültig in die Annalen der Sportschifffahrt, Buchstabe „W“ wie „James Wharrams polynesische Katamarane“.

 

Wir dürfen James Wharram mit Fug als den ersten Hippie bezeichnen und seine bis heute bestehende Designwerkstatt als Kreuzung zwischen Kreativschuppen, Nudistencamp und Sekten-Wohngemeinschaft. Wharram, heute mit runden 80 Lenzen noch immer Guru einer weltumspannenden Gemeinschaft von Segelexistenzialisten, hat der Yachtwelt mehr als eine nachhaltige Erschütterung beschert: Dass er schon zehn Jahre, bevor es im „Summer of Love“ sozusagen offiziös sanktioniert wurde, mit jeweils mindestens zwei Frauen zusammenlebte, war für steiflippige britische Gentleman-Segler „shocking“, und dass er dem Snob-Spruch „Wenn du fragen musst, was eine Yacht kostet, kannst du sie dir nicht leisten“ ein rotziges „Frag gar nicht erst, hol eine Kiste Sperrholz und bau deine Yacht selber“ entgegenhielt, hat das Yacht-Establishment völlig auf den Kopf gestellt.

Die andere Seite der James Wharram Gedächtnis-Medaillie: Seine Entwürfe und die darauf basierenden Selbstbaupläne waren für die Segelwelt das, was VW-Käfer und 2CV für Generationen von Autofahrern waren – der endlich erreichbare, weil brieftaschenfreundliche Traum. Und: Seine Designphilosophie ist getragen von tiefsitzendem Respekt vor der See, konsequentem Willen zur Angemessenheit in allen Dingen und der Bereitschaft von allen seefahrenden Kulturen zu lernen und das Beste aus jeder Technologie zu übernehmen. (Text aus dem Buch SegelGuide 2008, KGV Verlag)

 

Ich persönlich habe mich in Jim Wharrams Designs verliebt. Erst kaufte ich einen 26Füßer. Dann baute ich mit zwei Freunden einen 42Füßer. Dass ich ihn "Mother Ocean" getauft habe, ist irgendwie logisch, oder?

Wer mehr über Jim Wharram und seine Katamarane erfahren möchte: Hier gehts zu seiner Homepage: www.wharram.com

 

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